Lineare Perspektive

Perspektivisches Zeichnen ist ein Versuch, die Dreidimensionalität der Wirklichkeit auf der zweidimensionalen Zeichenfläche realistischer darzustellen. Senkrechte Linien erscheinen in Originalgröße, während waagerechte Linien verkürzt und am Horizont zusammenzulaufen scheinen. Jeder Künstler sollte sich damit beschäftigt haben, um die Perspektive für seine Zwecke gezielt einsetzen zu können.

Die wichtigsten Bezugspunkte für perspektivisches Zeichnen sind die Horizontlinie (HZ) und ein oder mehrere Fluchtpunkte (FP) (sowohl Horizontlinie als auch die Fluchtpunkte werden zu Beginn der Zeichnung festgelegt). Ein Gegenstand wird mit zunehmender Entfernung scheinbar kleiner, und die weitergedachte Linien des Gegenstandes treffen sich im Fluchtpunkt. Methoden, so etwas zu konstruieren, stelle ich hier vor.

Zur Konstruktion der Perspektive z.B. eines Zauns stehen mehrere Möglichkeiten zur Verfügung. Die erste ist hier zu sehen: Der vorderste Zaunpfeiler wird in Bezug zur Horizontlinie als Senkrechte eingeordnet. Danach zieht man Hilfslinien vom oberen und unteren Punkt des Pfeilers zum Fluchtpunkt am Horizont. (Der Einfachheit halber sollte der FP vorerst auf der Zeichenfläche liegen, was die Perspektive allerdings ziemlich extrem erscheinen lässt.) Diese Hilfslinien begrenzen die einzelnen Zaunslatten nach oben und unten. Um die Abstände konstruieren zu können, muss nun eine weitere Hilfslinie in der Mitte des ersten Zaunspfeilers gezogen werden, die ebenfalls im Fluchtpunkt endet. Nun wird mit Zeichnen der zweiten Zaunslatte der Abstand der Pfeiler zueinander festgelegt. Jetzt muss so vorgegangen werden, wie in der Abbildung zu sehen: eine schräge Linie geht vom oberen Punkt der ersten Zaunslatte durch den Mittelpunkt der zweiten bis zur unteren Hilfslinie. Letzterer Schnittpunkt gibt nun an, wo die nächste Senkrechte gezogen werden kann. So geht es weiter, bis die gewünschte Zahl an Pfeilern erreicht ist. Deren Abstand wird sich perspektivisch richtig mit zunehmendem “Abstand” zum Betrachter verringern.
Die zweite Möglichkeit ist die, die erste Senkrechte in gleichgroße Teilabschitte einzuteilen und von diesen Punkten aus Hilfslinien zum Fluchtpunkt zu ziehen. Nun wird die zweite Senkrechte, die den Abstand der Zaunslatten festlegt, nach Gefühl gezeichnet. Durch den obersten Punkt des vordersten Pfeilers wird nun eine diagonale Hilfslinie gezogen, die sich im Schnittpunkt der zweiten Senkrechten mit der zweiten Hilfslinie trifft. Diese Diagonale wird bis zur untersten Hilfslinie weitergezogen und zeigt durch die Schnittpunkte mit den Hilfslinien an, wo die nächsten Senkrechten hinkommen.

Das Prinzip zum Zeichnen von Bahngleisen ist dasselbe wie in Beispiel 1. In diesem Fall sind jedoch die Waagerechten ausschlaggebend. Von der Mitte der ersten Waagerechten aus wird eine Senkrechte bis zum Horizont gezogen, die Augenpunkt (AP) und zugleich Fluchtpunkt ist. Von beiden Enden der Waagerechten werden Hilfslinien gezeichnet, die sich im Augenpunkt treffen. Nun wird eine zweite Waagerechte gezeichnet und ein Endpunkt der ersten mit dem Mittelpunkt der zweiten Waagerechten verbunden und bis zur Hilfslinie weitergezogen. Dieser Treffpunkt ist Ausgangspunkt für die nächste Waagerechte und so weiter, wie in der Zeichnung zu sehen.

 

Eine weitere Technik ist hier zu sehen: Auf der Horizontlinie wird der Fluchtpunkt und ein weiterer Punkt festgelegt. Auf einer darunterliegenden Strecke werden in gleichen Abständen Punkte abgetragen, die per Hilfslinien mit dem Punkt P auf der Horizontlinie verbunden werden. Von einen dieser Punkte ausgehend wird der erste Pfeiler des Zauns gezeichnet, und von dessen oberen und unteren Ende gehen Hilfslinien zum Fluchtpunkt. Auf den Schnittpunkten mit den anderen Hilfslinien können nun Senkrechte gezogen werden, die die restlichen Zaunspfeiler darstellen.

 

Zum Konstruieren einer Treppe oder eines Hauses sind normalerweise mindestens zwei Fluchtpunkte vonnöten. Die Senkrechte, die den Punkt angibt, der dem Betrachter am nächsten ist, wird für die Treppe in gleich grosse Teilabschnitte geteilt – je nachdem, wieviele Stufen sie haben soll. Die Treppe wird dann wie in der Zeichnung zu sehen konstruiert. Die zwei Hilfslinien, die an den Spitzen der Treppe nach oben laufen, treffen sich ebenfalls in einem imaginären Fluchtpunkt ausserhalb der Zeichenfläche.

 

Hier ist eine Möglichkeit zu sehen, ein Schachbrett mit gleich grossen Feldern zu konstruieren. Die Punkte am unteren Teil der Zeichnung legen fest, wie viele Felder das Brett haben soll, wobei Punkt 1 (P1) zum Fluchtpunkt 1 gehört, Punkt 2 (P2) zu Fluchtpunkt 2.

 

 

Ein Beispiel eines konstruierten Hauses sehen Sie hier. Zwei Fluchtpunkte liegen auf der Horizontlinie, einer ausserhalb der Zeichenfläche (Dach und Schornstein). Die Mitte der Hausseiten (um den höchsten Punkt des Daches festzulegen) wird mit Diagonalen ermittelt. Einfach durch den Schnittpunkt eine Senkrechte ziehen. Auch hier gilt: umso weiter weg die Fluchtpunkte liegen, umso weniger extrem wird die Perspektive des Hauses erscheinen.